Helden des Olymp - A new Adventure

Eine Welt voller Abenteuer. Wähle zwischen Griechen und Römern. Sei ein Teil der Mythologie und bestimme das Schicksal der Götter mit.
 
StartseiteStartseite  PortalPortal  FAQFAQ  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

Teilen | 
 

 Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Weiter
AutorNachricht
Gast
Gast



BeitragThema: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Di 28 Jul 2015 - 20:38

das Eingangsposting lautete :

Ich streife durch das Camp, in dem die griechischen Halbgötter leben. Alles hier ist irgendwie befremdlich, ein bisschen gruselig, aber vorallem aufregend. Wenn bloß die ganzen Leute nicht wären. Neulinge werden schnell bemerkt und angesprochen. Aber mit einem netten Gespräch darf man bei mir nicht rechnen.
Ich versuche alles in mich aufzunehmen. Vergeblich. Es ist einfach zu viel. Wie kann man das bloß aushalten?
Der Zentaur Chiron hatte gesagt, ich müsse keine Angst haben. Aber das habe ich. Zu sehr erinnert mich das Camp an das Kinderheim, wo mein Leben sich verändert hat.
*Denk nicht dran!*, befehle ich mir. Doch wie soll das gehen, wenn seither das Leben dadurch beeinflusst wird?
In einer ruhigeren Ecke am Waldrand ziehe ich mich zurück und setze mich auf den Boden.
Nach oben Nach unten

AutorNachricht
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Fr 14 Aug 2015 - 18:09

Sie wünscht sie könnte und ich wünschte, sie könnte es tatsächlich. Denn so halte ich das nicht aus. Sie hört mir nicht zu, jedenfalls nicht so, wie sie es müsste, um sich selbst zu schützen und im nächsten Moment sagt sie dann Dinge, die sie glauben will, die ich ihr aber gar nicht versprechen kann, weil ich mir in dieser Hinsicht dann selber nicht traue. Außerdem bringt sie ihr Gesicht so dicht vor meines, dass ich ihren Atem an meinem Lippen, mit meinem schon fast vermischt spüren kann.
Es lässt mich innerlich knurren und weil ich sonst etwas tun werde, was sie nicht kann, reiße ich mich von ihr los, schiebe ihre Hände fort und stehe ruckartig auf.
"Das geht so nicht, du kannst dein Gesicht nicht so an meines schmiegen und erwarten, dass ich auf immer das Richtige tue! Nicht immer!", knurre ich sie an, bevor ich mir durch die schwarzen Haare mit dem Farbstreifen fahre.
"Du bist verletzt Sam und darüber musst du hinweg kommen, aber sicher nicht mit einem wie mir! Es war ok, dich als ein alter Freund nett zu behandeln, als wir uns heute wieder gesehen haben. Du hast mir nie etwas getan und solange du mir nichts tust, habe ich keinen Grund gegen dich zu agieren.
Aber das, was hier gerade läuft, kann nur zu einer Katastrophe werden, weil du nicht weißt... wer ich bin!"
Auch wenn ich es dir erklärt habe, denke ich.
Aber was soll ich tun?! Sie schmiegt sich vertrauensvoll an mich und sucht meine Nähe, möchte dass ich sie nach Paris begleite und versucht mir einzureden, dass ich gut sei? Bin ich nicht. Ich bin ein mieser Kerl. Ich suche keine Geborgenheit in meiner Heimat, ich will einfach nur mein Recht auf Selbstbestimmung. Ich will die Wahl haben und das macht mich eher zum Egoisten, denn zum traurigen Jungen.
Und was Sam angeht habe ich langsam keine Wahl mehr. Ich war kurz davor die Beherrschung zu verlieren und dann hätte ich sie geküsst, bis ihre Lippen ganz geschwollen gewesen wäre, ihre Haut gerötet von meinem Bartschatten und ihr Blick verklärt, sie selbst nur noch völlig atemlos.
Aber sie ist kein normales Mädchen, mit der ich diese Dinge hätte tun können. Sie ist das Mädchen, dass dann wieder in einem Albtraum versinkt und das will ich nicht. So hart ich auch gerne sein würde, ist mir das doch nicht egal.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Fr 14 Aug 2015 - 20:27

Ich spüre und höre den Torn, die erstickte Gier, die Enttäuschung. Seine Stimme schwappt fast über vor Emotionen und als er sich von mir losreißt und aufspringt, ist sein Blick wild und dunkel.
Und daran bin ich schuld. Das hat er jetzt zugegeben.
Es ist so falsch, alles was ich tue, ist falsch. Es tut den Menschen um mich herum weh, es macht sie fertig, es macht sie wütend. Ich senke den Blick.
"Vielleicht rede ich mir ja ein, du seist anders. Vielleicht hast du recht. Du bist nicht der nette Kerl von nebenan. Aber vielleicht bist du der, den ich lieben könnte. Gerade weil du nicht lieb und nett bist. Weil du nicht freundlich abnickst, was man dir sagt. Weil du den Drang hast, frei zu sein."
Der Boden, mit dem ich rede, gibt mir keine Antwort. Dennoch hebe ich den Blick nicht. Es geht nicht.
Ruckartig stehe ich auf und durchquere das Zimmer, gehe an Caleb vorbei, vermeide es aber ihn zu berühren.
"Ich bin gerne bei dir. Egal, ob du nun böse oder gut bist. Egal, ob du deine eigene Form der Justiz anwendest oder nach den Gesetzen lebst. Egal, ob ich Angst haben sollte oder nicht. Ich bin gerne bei dir", sage ich leise, sodass er es aber noch gut verstehen kann. Dann verlasse ich das Zimmer und setze mich auf das Bett, vor dem meine Schuhe stehen. Ich könnte sie anziehen und einfach gehen... Doch ich bleibe.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Fr 14 Aug 2015 - 23:28

Sie lässt mich ein bisschen wahnsinnig werden. Macht aus mir einen Wahnsinnigen in mehr als nur einer Hinsicht. Mit einem wütenden und frustrierten Aufschrei greife ich nach der Gitarre schräg neben mir und ramme die Kabel mit viel zu viel Kraft in die vorgesehen Öffnungen am Instrument und Verstärker, bevor ich mit zu viel Wut in jeder Bewegung auf den Verzerrer trete und die Gitarre im nächsten Moment erst loskreischt und dann auf heult unter meinen Fingern, die über ihre Seiten und ihren Hals wandern. So werde ich los, was ich an angespannten Emotionen habe. Trotzdem geht in meinem Kopf alles drunter und drüber. Jedes Wort, was sie gesagt hat, halt wieder und wird bewertet untersucht analysiert und interpretiert, auf die Goldwaage gelegt und verzweifelt suche ich in ihnen einen Sinn, der auch in meinem eigenen Kopf tatsächlich vorhanden und wahr sein kann.
°"Ich könnte dich lieben.", hat sie gesagt... mich lieben... lieben...LIEBEN!°, schwirrt und summt es in mir. Sowas hat noch kein Mädchen zu mir gesagt, schon gar nicht so eines wie Samantha, die soviel hat durchmachen müssen und sich trotzdem in eben diesem Moment traut über die Klippe zu springen.
Wie kann das möglich sein?
Langsam ebbten die reißenden Klänge ab und ich gehe in eine Melodie über, die nur noch leicht zerstört klingt.
Was sie gesagt hat, beschreibt mich nicht vollständig und doch trifft es einen gewissen Kern.
Tief hole ich Luft. Sam kann nicht schnell, sie kann nur langsam und vorsichtig.
Ich schließe die Augen und bete, eines der wenigen Male, die ich das tatsächlich wage. Nicht direkt zu irgendeinem Gott, sondern nur für mich selbst.
Denn auch wenn mein Herz seid ihren Worten zu zerspringen droht fürchte ich doch eher, dass mich mein Schwanz umbringt, oder ich Sam auf emotionaler Ebene weh tue, weil ich zu viel will und weil ich es zu schnell will.
Es ist kein kalkulierbares Risiko für mich, könnte ich sie doch verlieren, obwohl ich bis heute nicht mal wusste, dass ich sie hätte suchen müssen.
Die Töne der Gitarre werden sanft und Rhapsody schmiegt sich an meine Seite.
Dann brechen sie ab und ich stelle alles beiseite, bevor ich zu Sam hinüber gehe.
"Ich verursache Albträume Sammy. Und ich bin reines Gift. Außerdem bin ich 18 Jahre alt und genau wie alle anderen Jungs in meinem Alter. Wie kannst du mich wollen?"
Ich hocke mich vor sie, damit ich ihr von unten ins Gesicht sehen kann.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 15 Aug 2015 - 0:04

Der wütende Aufschrei, den er in seine Musik steckt, dort auslebt und sich von der Seele brüllt, lässt mich zusammenschrecken. Ich habe nicht geahnt, dass Menschen derartig emotional sein können wegen Worten. Caleb explodiert einfach.
Und doch langsam, ganz langsam ebbt der Sturm ab, bis Caleb still wird, die Gitarre weglegt und zu mir kommt. Er hockt sich vor mich mit diesem Blick, der Unglaube bedeuten kann, aber auch Sorge. Vielleicht sogar beides. Dieser Blick, den nur er hat.
Nach dem Ausbruch von ihm ist es jetzt auf einmal rauschend still. Als würde die Zeit einfrieren und die Außenwelt abschalten. Nur für einen Moment, diesen Moment. Ich sehe, wie sich seine Lippen bewegen, höre aber die Worte verspätet, als wäre ein Knoten in meiner Leitung.
'Wie kann ich ihn wollen?', wiederhole ich die Frage in meinem Kopf, beleuchte sie ausgiebig von allen Seiten, bis ich sie auseinandergenommen und Schrittchen für Schrittchen beantwortet habe. Erst dann lege ich mir die Worte zurecht, während ich stumm in seine Augen schaue und mich frage, wie der Gott Tartaros solch einen Sohn haben kann. Einen Sohn, der auf der einen Seite komplett seine Brutalität anwendet, aber auf der anderen Seite so wundersam ruhig oder eher behigend ist. Oder bilde ich mir das nur ein?
Sanft beschreibe ich mit einer Hand Kreise auf dem Bettlaken, das sich unter den Zeichnungen wellt und Falten wirft.
"Ich habe das Gefühl, dass du mich halten kannst. Dass du stark genug sein kannst, meine Hand zu halten und irgendwann alles zu erfahren. Jedes Detail. Damit ich damit abschließen kann. Oder es wenigstens nicht mehr so sehr spüre. Ich bin gern bei dir. Du gibst mir Sicherheit. Du magst... explosiv sein, aber das macht mir nichts aus. Du bist trotzdem meine Sicherheit. In jeder Welt. Und wenn ich mich sicher fühle, dann taue ich auf. Langsam zwar, aber ich taue auf. Und dann..."
Der kurze Moment, bevor er sich losriss, kommt mir in den Sinn. Der Moment, der perfekt für einen Kuss gewesen wäre. Wenn ich kämpfe, dann kann es diesen Kuss geben. Nicht heute, nicht sofort. Aber es wird ihn geben.
Behutsam strecke ich die Hand aus und berühre erst meine und dann seine Lippen mit den Fingerspitzen, als könnte es das fürs Erste ersetzen. Schnell ziehe ich die Hand wieder zurück. Ich will ihn nicht direkt wieder vertreiben, ihn so fertig machen. Das ist unfair. Doch anders kann ich ihm nicht mitteilen, was ich nicht in Worte zu fassen vermag. Das Ungesagte, Unsagbare hängt in der Luft. Doch diesmal weiß er es. Er muss es wissen.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Di 18 Aug 2015 - 21:17

Ihre Fingerspitzen sind schon weich. Wie würde sich erst ihr Mund, ihre Lippen, auf meinen anfühlen? Noch immer vor ihr hockend senke ich den Kopf, denke kurz nach, denn es rauscht in meinen Ohren. Dann hebe ich das Gesicht und sehe sie wieder an.
"Bittest du mich darauf zu warten Sam? Bittest du mich darum? Denn du verstehst nicht, was ich nicht sagen kann, aber was ich vielleicht müsste. Wenn du sagst... du könntest mich lieben, obwohl ich dir erklärt habe, wie gefährlich ich bin...
...", ich breche ab und hole tief Luft, weil ich erst einmal erneut Wörter finden muss, die nicht bescheuert oder belanglos in meinen Ohren klingen und trotzdem ausdrücken können, was mir so schwer fällt zu sagen.
"Bittest du mich darauf zu warten, dass du eine Beziehung, eine Liebesbeziehung führen kannst?", will ich mit rauer Stimme von ihr wissen?
Denn irgendeine Art der Beziehung haben wir bereits. Alte Bekannte, ehemalige Freunde, vielleicht erneut Freunde... aber ein Paar? Ich bin nicht so verblendet, dass ich von mir selbst nicht wüsste, dass ich nicht unendlich geduldig bin. Ich will sie ja bereits jetzt schon küssen. Und zwar nicht sanft und lieb und rücksichtsvoll. Ich will sie küssen, bis ihr heiß ist und sie nach Luft schnappen muss. Ich will sie küssen bis... nun ja, sagen wir so, ich bin alles andere als geduldig, obwohl mein Zustand auch mit einem Wort mit g zu beschreiben wäre.
Was das auf Dauer mit mir machen wird weiß ich nicht. Vielleicht habe ich die Selbstbeherrschung sie nicht merken zu lassen, wie sehr ich etwas will und wie dringend ich es brauche. Denn wenn sie es merkt würde es sie unter Druck setzen, wenn ich ihr etwas bedeute.
Zwingen würde ich sie niemals. So bin ich einfach nicht und ich könnte nicht einmal ertragen, wenn sie auf Grund ihrer traumatisierenden Erfahrungen in der Hinsicht auf mich eine Parallele ziehen würde, auf Grund meines Verhaltens.
Aber Druck, der unweigerlich entsteht, wenn man nicht bereit ist, das andere aber schon mehr will, oder weiter ist, kann sie in ein Loch stürzen, dass noch viel finsterer ist, als das welchem sie langsam zu entkommen versucht. Aber kann ich mir zutrauen immer geschickt und einfühlsam genug zu sein, dass ich den Grad nicht übertrete?! Nein, eben nicht. Beziehungen sind Kompromisse und Liebesbeziehungen sowieso. Es ist ein Hin und Her, aber bei Sam gibt es einen Punkt über den ich niemals hinaus dürfte, weil ich sie damit wahrscheinlich unglaublich seelisch verletzen würde. Ich habe Angst diesen Punkt zu überschreiten, sogar ohne, dass ich es merke. Wie kann ich das, wenn ich für das Mädchen vor mir etwas empfinde.
Vor allem, was ist das was ich empfinde? Bloß der Reiz des Augenblicks? Ein interessantes Wiedersehen und dann wird es mir langweilig werden? Oder... bin ich dabei mich Hals über Kopf in Sam, die so verletzt und gebrochen und dabei so stark ist, zu verlieben?
Sie könnte mich lieben... hat sie gesagt.
Sie kennt mich nicht genug und ich kenne sie nicht genug. Auch wenn meine Punkte keine explosiven Bomben sind, die mich in tiefe Löcher katapultieren, so habe ich doch ebenfalls welche. Welche für Wut und Zorn und fürchterliche Albträume und welche, die andere Mädchen in Sams Alter hinterher auch schreiend zurück lassen aber aus anderen Gründen. Diese Punkte sind in Kombination mit Sams Punkt, den ich nicht einschätzen kann, sehr gefährlich.
Oder sollte ich es Grenzen nennen?
Tief sehe ich ihr in die Augen. Was ist, wenn sie nicht schnell genug kann und ich nicht lange genug zu warten vermag? Dann wäre es kaputt und gebrochen, bevor wir eine Chance hatten.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Di 18 Aug 2015 - 21:39

Calebs Gesichtsausdruck, seine Körpersprache drückt so viel aus. Hoffnung, Faszination, Unglaube, aber besonders Sorge. Ich halte seinem Blick stand, lasse mich in dem endlosen Schwarz versinken und denke lange nach.
Ist es so? Bitte ich ihn darum, auf mich zu warten? Kann ich das überhaupt verlangen? Oder wäre das schlichtweg egoistisch und irgendwo auch ein bisschen selbstzerstörerisch?
Caleb weiß nicht, was geschehen ist. Er kann nicht einschätzen, wann er zu schnell für mich wird. Aber ebenso kann ich es auch nicht sagen. Die Grenze, ab der für mich alles zu viel wird, ist schwammig, hängt von vielen Faktoren ab und lässt sich nicht klar benennen. Es ist, als würde man versuchen, Rauch zu einer Linie zu formen. Denn mehr ist es nicht, was mich hält. Nur der Rauch vergangener Bilder... Erinnerungen, die mich einhüllen.
"Ich kann es eigentlich nicht verlangen. Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Aber... ja, ich bitte dich darum. Ich bitte dich darum, auf mich zu warten. Oder viel mehr mit mir. Ich bitte dich darum, mit mir den Weg raus zu finden", sprudeln die Worte nur so aus mir heraus.
Ich werde eine Spur rosa. Irgendwie habe ich das Gefühl, Caleb mein Herz zu offenbaren. Dem finsteren, halbgöttlichen Caleb, Sohn des Tartaros. Hätte mir jemand erzählt, dass das passieren würde, würde ich ihn für verrückt erklären. Denn das ist es. Absolut verrückt.
Die Idee, dass Caleb so lange warten kann, die Tatsache, dass ich mit ihm gute Gefühle verbinde, obwohl ich ihn kaum kenne, die Hoffnung, dass ich ihm irgendwann das geben kann, was er braucht. Alles daran ist verrückt. Aber dennoch... Es ist nicht unmöglich.
"Ich würde es so gerne versuchen...", füge ich leise hinzu und streiche neben mir die Wellen im Laken glatt. "Wenn du aber denkst, dass das nicht geht... Dann..."
Ein Kloß bildet sich in meinem Hals, erstickt meine Worte und ich schaue zu Boden. Am Rande meines Sichtfeldes nehme ich Calebs Körper wahr. Mein Schloss, mein Panzer... Bisher habe ich eigentlich noch niemanden getroffen, der mir so sehr das Gefühl vermittelt hat, dass er mich wirklich schützen könnte. Die meisten würden es sowieso nicht tun. Aber viele sind dazu auch nicht in der Lage. Aber Caleb...?
Ich blicke an mir herab. Kann ich genug bieten, worauf es sich für ihn zu warten lohnt? Sowohl charakterlich als auch... nun ja... Lohnt sich das für ihn? Bin ich das wert, dass man für mich wartet, für mich verzichtet, für mich langsam ist?
"Wenn es nicht geht... Ich... Das wäre sehr schade..."
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Mi 19 Aug 2015 - 21:19

Mein Mund ist trocken. Und wäre Sam eine ganz normale junge Frau, dann würde ich behaupten, sie dramatisiere. Dass das alles, was sie sagt, nicht einmal im Ansatz echt sein kann, sondern nur herbei fantasiert und abgeschaut.
Aber... Sam ist so anders und alles was sie gesagt hat scheint mir tiefer zu gehen, echt zu sein. Als hätte jedes ihrer Worte Gewicht und eine Bedeutung.
Und ihr Worte sind genauso unbeholfen wie meine eigenen gerade...denn... wir scheinen uns beide gerade in etwas zu verstricken, was so groß und Angst einflößend ist, dass es uns sowohl in tausend Stücke zerspringen lassen kann, oder uns himmelhoch jauchzend zurück lässt. Innerhalb eines Wimpernschlages.
Sie könnte mich lieben und sie bittet mich, auf sie zu warten. Mit ihr einen Weg zu finden.
Ich weiß immer noch nicht, ob ich es kann. Ob ich in der Lage bin, das richtige zum richtigen Zeitpunkt zu tun. Aber ihre Worte sind ernst gemeint. Sie sagt es nicht einfach so... Sam scheint sich in mich zu verlieben und sie schenkt mir ihr Vertrauen. Sie spricht mit mir... vorhin hat sie nicht ein Wort gesagt. Nun hat sie in meiner Gegenwart vergessen, dass sie nicht mehr spricht. Also lege ich ihr langsam die Hände auf die Beine und streichele auf und ab, bevor ich langsam die Arme um sie schlinge und mich nun meinerseits an sie lehne. Den Kopf an ihren Bauch gedrückt.
"Ich kann dir nicht versprechen, dass ich erfülle, was du in mir siehst oder dir erhoffst. Ich kann dir nicht einmal versprechen gut für dich zu sein, Sammy."
Das hier ist alles fürchterlich zerbrechlich und ich bin nicht gemacht für zerbrechliche Dinge. Ich muss mir eingestehen, dass mein Herz wegen ihr schneller schlägt, obwohl auch ich sie zu wenig kenne und bloß als Kind auch nur kurz kannte. Trotzdem bringt sie meine Welt durcheinander und zieht mich in ihren Bann. Ich bin verliebt in sie und muss lernen, sie nicht zu zerbrechen. Hoffentlich halte ich das aus, ohne selbst zu zerspringen.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Mi 19 Aug 2015 - 21:55

Mein Herz stolpert in seinem Rhythmus, als er erst sanft über meine Beine streicht und sich dann in einer Weise, die ich eigentlich niemandem gestatte, mir nähert. Sein Kopf lehnt an meinem Bauch, seine Arme liegen um mich, halten mich fest, halten ihn fest. Irgendwie ist es wohl beides. Für einen Moment bin ich nicht fähig, mich zu bewegen, lausche nur mit angehaltenem Atem seinen Worten, bis ich sanft und ein wenig hilflos meine Arme auf seine Schultern lege und über seinen Rücken streichele.
"Du weißt doch nicht, was ich mir erhoffe. Du weißt nicht, was ich in dir sehe", erwidere ich mit fast schwindender Stimme, so dick ist der Kloß in meinem Hals jetzt, dass er alles zu ersticken droht, was mein Herz an Worten ausschüttet.
"Aber du weißt, dass du mir etwas bedeutest, auch wenn ich dir nicht sagen kann, seit wann das so ist. Vielleicht schon immer, vielleicht erst seitdem du gesungen hast. Vielleicht..."
Der Kloß verhindert noch mehr Worte. Ich versuche ihn runterzuschlucken, aber er stellt sich quer. Ich lasse vom Versuch ab, noch mehr zu sagen und beuge mich zu Caleb hinunter, bis mein Kopf beinahe seinen berührt und meine Haare über seine Schultern fallen.
Still verharre ich in dieser Position und halte Caleb einfach fest. Womöglich habe ich Angst, das alles sei nur ein Traum. Womöglich will ich ihm zeigen, dass es mir ernst ist. Aber was ich definitiv will, ist, ihn bei mir wissen.
'Du bist egoistisch, du kleine, dreckige Missgeburt!', brüllt jemand in meinem Kopf. Und zum ersten Mal richtet sich die verängstigte Samantha in meinem Kopf auf, hebt den Blick und schreit: 'Verschwindet! VERSCHWINDET EINFACH!'
Ich kneife die Augen fest zusammen, habe das Bild von mir, wie ich die Dunkelheit anschreie, klar vor Augen und bemerke etwas.
Ich bin nicht mehr allein.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Do 20 Aug 2015 - 21:01

"Nein, dass kann ich nicht sagen...", raune ich, ohne den Kopf zu heben. Denn sie hat Recht. Ich kann es nicht wissen. Ich kenne nur meine Perspektive auf mich. Und wenn ich nicht bin, was sie erwartet heißt das nicht, dass sie mich aufgibt. Wenn sie mich dann nicht mehr will, wenn sie weiß, wer ich bin, dann wird das so sein.
Aber ich glaube, sie steht die selben Ängste aus und ich selbst bin der Meinung, dass ich wenigstens versuchen muss, der zu sein, den sie nötig hat. Um es ehrlich zu sagen, will ich es nicht so versuchen, ich will es sein.
Sanft packe ich sie unter den Armen und hebe sie hoch, bevor ich sie vor mir auf den Boden stellt, während ich mich aufrichte.
Die Musik scheint die Lust zu erfüllen, obwohl niemand sie macht.
Ich kann einfach nicht anders und die Worte kommen von allein, während ich sie an mich ziehe und sie zu einem Tanz verführe. Das kann ich von Sam bereits jetzt haben, obwohl selbst dabei die Luft brennt. Nur sagt das gerade mehr als alle Worte die ich finden könnte. Ihr hübsches Haar streicht langsam von meinen Schultern und ich grinse sie an, weil mein Herz so verdammt schnell schlägt und ich nicht einmal sagen kann wo oben und unten ist.
"Hold me closer, don't let go,
I need to know how you feel too,
So hold me closer and don't let go,
I'm falling so please girl don't let go,

Hold me closer tiny dancer,
count the headlights on the highway,
lay me down in sheets of linen,
You've had a busy day today", singe ich den Remix Text des alten Songs "Tiny Dancer" von Elten John nach, denn die Bezeichnung Tiny Dancer passt auf Sam, als wäre sie nur für sie erfunden worden.
Der Text des Remix von Ironik passt zu mir und ihr, wenn ich bedenke, wie schnell sie sich mein Herz genommen hat. Kaum zu glauben.
Ich wirbele mit ihr zu der Musik herum, die um uns herum zu erklingen scheint. Das ist meine Gabe, die ich schätze. Das der Wind mit mir zu singen scheint. Selbst innerhalb eines Raumes.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Do 20 Aug 2015 - 21:22

"Dann denk nicht nach", flüstere ich. Und auf einmal stehe ich auf den Füßen und liege in seinen Armen. Die Luft vibriert und formt die Melodie zu seinen Worten. Ich lächele und lasse ihn führen, lasse mich einfach fallen und vertraue mich ihm an. Die Welt um uns herum verschwimmt, verliert ihre Bedeutung, denn nur Caleb ist noch wichtig. Dieser Moment ist das einzig wichtige jetzt. Der Moment mit ihm.
Unser Moment.
Ich spüre wieder diese Spannung, das Knistern in der Luft um uns herum, die durch den Songtext nur noch mehr verstärkt wird. 'Lay me down in sheets of linen', hallt das Echo des Textes durch meinen Kopf. Ein kleiner, vorsichtiger Teil in mir fragt schüchtern, ob das eine Bedeutung hat. Der Rest aber hört nicht zu, ist eingenommen von dem Tanz, der immer enger wird, immer freier. Jeder Schritt, jede Bewegung, jeder Atemzug geht leichter.
"Genau das meine ich", höre ich mich sagen mit einem Lächeln in der Stimme.
Das Lied ist ein Remix, das hört man deutlich, aber es ist ein guter Remix. Unser Tanz wird eine unbeschreibliche Mischung aus allen möglichen Tanzstilen, so wie wir uns gerade fühlen. Und wie auch immer Caleb das hin bekommt, er führt genau richtig, findet immer den richtigen Schritt. 'Schade, dass wir uns nicht sehen können', denke ich mir und mein Blick kreuzt seinen. Ein Funkeln erfüllt seinen Gesichtsausdruck, glitzert in seinen Augen und lässt sie strahlen.
Er sieht einfach so wunderbar glücklich aus.
Ich sende ein Stoßgebet zum Himmel, dass ich Caleb noch öfter so sehen kann, weiß aber nicht welchen Gott ich ansprechen soll. Aber derjenige wird es schon wissen.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Do 20 Aug 2015 - 21:42

Irgendwann als das Lied in meinem Kopf von Schwung voll zu wenigen ausklingenden Takten wird lehne ich meine Wange an Sams und halte sie bloß noch in den Armen, während ich mich zu den letzten Klängen mit ihr hin und her wiege.
Es fühlt sich anders an als damals und auch anders, als im Wald.
Wir sind uns gerade erst wieder begegnet und eigentlich hätte das alles nicht so schnell gehen dürfen. Doch es hat uns beide völlig ohne Vorwarnung erwischt und dann aber mal so richtig, würde ich sagen.
Denn bei Sam kann ich mir nicht einmal ansatzweise vorstellen, dass sie mir etwas vorspielt.
Sie könnte mich lieben... ich bin bereits in sie verliebt, dass weiß ich jetzt sicher, denn ich bin bereit zu versuchen auf sie zu warten. So vorsichtig zu sein, wie ich kann.
Denn trotz des Ballastes den sie mit sich trägt hat sie den Mut aufgebracht und den Mund geöffnet. Damit hat sie mir im Grunde ihr Vertauen erneut geschenkt. Wie man es auf der Tanzfläche einfach tun muss, wenn man sich führen lässt. Sie hat damals darauf vertraut, dass ich sie mit niemandem zusammen stoßen lasse und jetzt vertraut sie darauf, dass ich sie auffange und wenn nötig wieder aus dem hässlichen Loche voller Erinnerungen ziehe.
Dafür bin ich stark genug. Nur hoffe ich, dass ich mit meinem ganzen Ballast nicht noch eine Schicht tiefer grabe und sie noch weiter fällt, bevor sie auf den Grund aufschlägt.
Denn gerade ist ihr der Ballast noch egal. Was wird, wenn beide Päckchen, die wir tragen aufeinander treffen? Wird es uns zu Boden reißen?
Meine Stimme verklingt und ich kann nicht aufhören nachzudenken, obwohl sie es mir rät. Wie auch, kennen wir uns doch einfach noch nicht gut genug, um eigentlich schon so zu fühlen. Aber Herzen lassen sich nicht kontrollieren oder befehligen.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Do 20 Aug 2015 - 22:07

Ich spüre seine warme Wange an meiner, die etwas rauere Haut eines Mannes, als er seinen Kopf an meinen lehnt und uns die letzten Takte nur noch weich und sanft hin und herwiegt.
Obwohl ich ihm nicht ins Gesicht schauen kann, weiß ich, dass seine Gedanken Achterbahn fahren, auf der Jagd nach den Gefühlen, die eine Bahn voraus ihre turbulente Fahrt aufnehmen. So wie es eben meistens ist. Man fühlt und denkt erst danach.
Die Frage des 'Was?' drängt sich mir auf, aber ich sage nichts, lasse ihn nachdenken und lausche auf die Stille um uns. Nur sein Herzschlag und sein Atem bröckeln an der vollkommenen Stille. Weich und anschmiegsam. Und das tue ich auch. Ich schmiege mich an seine schutzbietende Brust und mache die Augen zu.
"Ich hätte nie gedacht, dass so etwas geht", meine ich leise, mehr zu mir selbst. Noch immer empfinde ich es als absolut verrückt. Das, was als kleiner Sprößling zwischen uns aufkeimt, ist unglaublich, neu, aufregend und ein bisschen beängstigend. Aber vor allem ist es wunderschön.
Stünden wir in einem Garten, wäre es die unscheinbare Knospe an der schönsten Pflanze, die die prachtvollsten Blüten trägt. Aber nur wenn man sie pflegt. Wenn man sich um sie kümmert, wird sie aufblühen und die Krönung des Gartens sein. Und wenn nicht... verkümmert die Knospe.
Wie lange braucht unsere Blüte wohl, um zu erblühen? Welche wunderschöne Farbe wird sie haben?
All diese Fragen stehen offen und füllen meine Gedanken.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 22 Aug 2015 - 0:10

Nach einer Weile seufze ich und schiebe die an mir lehnende Sam von mir weg, um sie in Richtung meines Bettes zu bugsieren. Die Vision ist noch keine Stunden her und die emotionale Achterbahnfahrt, die sowohl sie, als auch ich mitmachen kann nicht dazu beitragen, dass der Stress einfach so verpufft. Sam hat an mich gelehnt vor sich hin geträumt und auch ich wusste nichts konkretes dazu zu sagen.
Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob sie bei mir das bekommen wird, was sie sucht, auch wenn wir jetzt mehr oder weniger zugesagt haben, es zu versuchen.
Einander zugesagt...
"Du solltest dich noch etwas ausruhen.", sage ich mit rauer Stimme zu ihr. Vielleicht auch, weil ich selbst noch Zeit zum Nachdenken brauche und es mir dabei nicht gerade hilft, wenn sie sich an mich schmiegt und so tut, als wäre ich ihr Ritter in glänzender Rüstung.
So einer war ich nie und alles geht hier gerade verdammt schnell, auch wenn mein Herz mit heftigem Klopfen darauf aufmerksam macht, dass ich genau das hier will.
Heute ist so viel passiert und jetzt ist Sam, die ich gar nicht kenne, mehr oder weniger meine Freundin in Spe, obwohl ich sie erst heute wieder gesehen habe und sie am Anfang dieses Wiedersehens noch nicht einmal mit mir gesprochen hat.
Wie kann so etwas gehen?
Also schiebe ich das mir eigentlich ziemlich fremde Mädchen zu meinem Bett, auch wenn ich sie im Gästezimmer unterbringen könnte und dies auch lieber tun sollte und setze ich dann dort auf die Kante.
Selbst wenn Sam nicht an ihrer schrecklichen Vergangenheit gebrochen wäre und jetzt darum kämpfen würde, sich alles was sie ausmachte und was diese Drecksschweine ihr gestohlen hatten, mit Mühe zurück zu kämpfen, wäre sie wohl anders.
Jedenfalls wäre ein gravierender Unterschied trotzdem zu dem kleinen lachenden Mädchen vorhanden gewesen, selbst dann, wenn Sam niemals ihre Vergangenheit erlebt hätte.
Wir müssen uns neu kennen lernen und das geht so schlecht unter Druck. Und unsere heftigen plötzlichen Gefühle werden uns sicherlich auch noch Steine in den Weg legen... das sehe ich schon kommen.

"Du willst morgen wirklich nach Paris?", frage ich ruhig.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 22 Aug 2015 - 0:39

Der kratzige Unterton seiner Stimme könnte mir so viel verraten. Darüber, wie es ihm geht, was er fühlt, was er denkt und noch so vieles mehr. Aber ich bohre nicht nach, lasse ihm etwas Ruhe mit seinen Gedanken und Gefühlen. Ich betrachte meine Gedanken, die bunten Puzzleteile, die mein ganzes Leben lang ein großes, einzigartiges Bild ergeben. Puzzleteile oder Scherben. Man kann es verschieden betrachten.
Sanft führt mich Caleb zu seinem Bett und ich lasse mich auf das Bett sinken. Das Bedürfnis, einfach in die Kissen zu fallen und unbewegt dort zu liegen, ist stark. Einfach nur liegen und bei ihm sein. Egal wie verrückt das alles ist.
Ich halte seine Hand fest, überlege, ihn mit mir in die Kissen zu ziehen, lasse dann aber von dem Gedanken ab. Es ist eine schöne Idee, aber so weit bin ich noch nicht. Nicht sofort. Vielleicht gleich. Vielleicht später. Engumschlungen einzuschlafen, mit demjenigen, an den man sein Herz verloren hat, ist wunderschön, etwas, das ich mir sehr wünsche, aber wir müssen es ruhig angehen. Und das nicht nur wegen mir.
Seine Sorge zeichnet sein Gesicht. Es lässt ihn... erwachsen wirken, obwohl 'erwachsen' schwierig zu definieren ist. Niemand ist jemals wirklich erwachsen. Doch in diesem Moment kommt er mir so vor.

"Paris wäre wundervoll", lächele ich, versuche mit dem Lächeln die Gedanken etwas zu überstrahlen, die ihm durch den Kopf spuken müssen, die auch mich beschäftigen. 'Vorallem raud aus dem Camp', füge ich im Stillen hinzu. Obwohl es mir hier ja nicht schlecht geht, würde ich lieber fort. Hier scheint man andauernd wie ein Museumsstück begutachtet zu werden. Und das kann ich nicht ertragen, nach allem was geschah.
"Wir könnte vielleicht sogar noch nach New Orleans, bevor wir wieder zurückkommen."
'Wenn wir zurückkommen.'
Ich weiß, dass Halbgötter außerhalb gefährlich leben, aber man kann sich ja auch nicht ewig verstecken. Und wenn das Schicksal einen sterben lässt, dann wird es wohl so sein müssen.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 22 Aug 2015 - 10:04

Sam sitzt im Bett und hält meine Hand fest. Es fühlt sich komisch an, weil es mein Bett ist, sie aber meine Hand fest hält, während ich außerhalb stehe.
In jeder Beziehung hat man am Anfang eine rosarote Brille auf und dann, wenn man sie absetzt fangen Kleinigkeiten einen an zu stören, die man vorher nicht bemerkt hat, oder sogar süß fand. Ich weiß, dass ich so bin... Dass mich irgendwann Kleinigkeiten stören werden. Aber eben auch, dass ich darüber hinweg sehen und mich damit arrangieren kann.
Bei Sam weiß ich einfach noch gar nichts. Weder was sie so tut, oder wie sie sich in bestimmten Situationen verhält. Nur das sie gerne tanzt, vor anderen nicht spricht, Musik mag und schreckliches erleben musste, weshalb sie nicht spricht.
Aber ich weiß nicht, wie sie mich anfassen wird. Ich weiß nicht, ob sie beim Essen von meinem Teller stibizt oder versuchen wird mich zu füttern. Ich weiß auch nicht, wie sie klingt und sich anfühlt, wenn sie neben mir schläft. Ich weiß nicht, ob sie im Streit Dinge kaputt machen oder nach mir werfen würde.
Alles so Dinge, die man irgendwann über einen Menschen erfährt oder erfahren sollte, wenn man mit ihm zusammen ist... Oder die man bereits zum Teil kennen sollte, wenn man sich entschließt es mit einander, mit einer Beziehung zu versuchen.
Denn das ist mehr als nur Anziehung und Sex. Man verspricht sich ebenfalls füreinander da zu sein und sich gegenseitig zu unterstützen. So jedenfalls sehe ich das.
Ich bin verliebt in Sam... kenne sie aber nicht und kann nichts zu den Dingen sagen und ich kann mir nicht einmal konkret vorstellen, sie heraus zu finden. Denn das sollte nebenbei statt finden und nicht zwanghaft herbei geführt werden, würde ich mich doch dann anders verhalten, als normal und sie auch... Alles wäre dann nur ein Fake.
Aber will sie diese Dinge von mir sehen... Oder wird sie dabei ihre rosarote Brille aufbehalten, bis diese zerspringt und dann ist alles vorbei?
Ich weiß es ganz einfach nicht.
Und eigentlich finde ich nicht gut, gleich Städte anzuschauen, wenn wir emotional auf so wackligen Beinen stehen.
Der freudige Ausdruck in ihrem Gesicht hindert mich aber daran ihr diesen Wunsch abzuschlagen. New Orleans stellt sie bloß als Möglichkeit da. In New Orleans ist es eindeutig mehr meine Welt...
"Ja... vielleicht. Jetzt schlaf noch ein bisschen.", bitte ich sie dann und löse meine Hand aus ihrer. Dann streiche ich ihr übers Haar und beuge mich hinab um ihr einen Kuss auf den Haaransatz zu geben. Ihre Haare duften gut.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 22 Aug 2015 - 11:24

Er lässt meine Hand los, als wüsste er, was ich denke, als könnte er in meinen Gedanken lesen. Vielleicht tut er das? Wer weiß das schon. Hier ist alles möglich. Zwischen uns ist alles möglich.
Ich halte still, als er sich herabbeugt und mir einen Kuss aufs Haar drückt, versuche mir das ganze einzuprägen, um davon zu träumen, wenn die Schatten wieder nach mir greifen wollen. Mein Schutzschild aus Zärtlichkeit gegen das, was mich noch immer zerreißen will.
Ob das alles wirklich jemals möglich sein wird, was es in normalen Beziehungen gibt? Ist sowas mit mir tatsächlich im Bereich des Möglichen?
'Irgendwann...', flüstern meine Gedanken, Hoffnungen, Gefühle. Irgendwann...
Und wenn es zu lange dauert? Würde ich ihn wieder verlieren? Würde er mir entgleiten? Würde es ihn fortziehen, wenn die dünne Glasscheibe, die unsichtbar zwischen uns steht, nicht zerbrechen könnte, um ihn ganz an mich heranzulassen?
Ich hoffe nicht.

"Bleibst du in der Nähe?", frage ich und meine nicht nur seine physische Anwesenheit sondern auch seine psychische. "Bleibst du hier, wenn ich schlafe?"
Ich lasse die Frage unausgesprochen, wo genau er warten oder ebenfalls schlafen wird. Denn die Antwort könnte lauten, dass er das Zimmer verlässt oder sogar die Hütte oder eben nicht. Es ist schwierig zu erklären, aber was davon mir am meisten Angst macht, kann ich nicht klar sagen. Dafür ist das alles zwischen uns noch zu frisch, zu überrumpelnd und zu gewaltig. Es kam urplötzlich. Vielleicht zu plötzlich. Aber dagegen lässt sich nichts machen. Ich würde es auch nicht wollen.

Ich rolle mich in den Kissen zu einer kleinen Kugel zusammen und blicke zu Caleb auf. Mein Caleb.
Es ist verrückt, absolut wahnsinnig, dass ich das denke, dass ich es sagen möchte.
Mein Caleb. Mein... Freund?
Meins. Ein Wort, das ich eigentlich nie verwende, weil ich keine Ansprüche auf die meisten Dinge habe. Aber wenn es mir geschenkt wird...?
"Caleb...", sage ich leise, "Mein... Caleb."
Ich wollte noch mehr sagen, Worte einfügen wie 'lieber, geliebter, starker, großer, finsterer, entschlossener, wunderbarer'. Aber es kommt mir nicht richtig vor. Die Worte reichen nicht, um von Caleb ein Bild zu zeichnen. Ihre Bedeutungen sind zu einseitig.
Deswegen lasse ich es so.
"Mein Caleb."
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 22 Aug 2015 - 17:11

Mir tut die Brust weh, als Sam so herzzerreißend zu mir aufsieht und fragt, ob ich in der Nähe bleibe.
Eigentlich fragt sie mich, ob ich sie alleine lassen werde oder ob ich bei ihr bleiben werde. Das weiß ich fast sicher, dass es so ist.
Ich setze mich zu ihr auf den Bettrand und beobachte, wie sie sich zusammen rollt. Ähnlich wie Rhapsody, wenn sie sich wohl fühlt oder schlafen möchte. Ich glaube nicht, dass es bei Sam bloß Wohlfühlen ist. Sie rollt sich auch zu ihrem eigenen Schutz so zusammen. Das hätte mich traurig gemacht, hätte ich nicht gehört, was sie vor sich hin gemurmelt hat. "Mein Caleb."
Es klingelt in meinen Ohren und dann bin ich wie von Watte umgeben. Mich nennen die wenigsten Leute ihr Irgendwas. Mein "Vater" sagt auch nicht "Mein Sohn" zu mir und selbst meine Mutter spricht mich nur mit Caleb oder Schätzchen an. Keiner besteht darauf, dass ich ihm "gehöre". Außer Sam, die sagt, sie könne mich lieben und mich ihren Caleb nennt.

"Ich bin hier wenn du aufwachst.", sage ich leise zu ihr, bevor ich anfange ihr ein Schlaflied zu summen.
Bloß die Melodie, nichts mit Text. Würde ich wollen könnte ich ihr furchtbare Albträume aufzwingen. Aber ich weiß leider, dass sie diese sowieso schon hat. Also versuche ich das genaue Gegenteil zu tun und hoffe, dass Keith recht hat und man seine Gaben so beeinflussen kann, wie man möchte, wenn man es nur ganz unbedingt will. Ich will, dass Sam nur gut träumt. Sicher und heil in ihren Träumen ist.
Obwohl mein Vater nicht Hypnos ist, bin ich doch verdammt gut im Albträume bringen und habe schon überlegt, ob es dann nicht möglich wäre, mich auch in Träume zu schleichen?
Jedenfalls habe ich viel über die Traumgötter und auch ihre Gaben gelesen und ihnen war so etwas möglich.
Das wäre etwas, was nur für mich wäre... und es würde Sam helfen. Denn dann könnte ich dort...
Ich verdränge diese Gedanken und konzentriere mich darauf ihr nur gute Träume zu schicken mit meinem hypnotisierenden Schlaflied.
Würde man es ausspielen würde niemand es zu Beginn für ein Schlaflied halten, denke ich mit einem sanften Schmunzeln.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   Sa 22 Aug 2015 - 19:07

Ich bin hier, wenn du aufwachst.
Es streichelt meine Seele, fegt die Scherben meines Herzens zusammen und legt sie ein wenig zusammen, dass man ihre ursprüngliche Form erahnen kann. Seine Worte setzen sich in meinem Kopf fest, vermischen sich mit der Melodie, die er leise summt. Irgendwie kommt es mir bekannt vor. Entfernt. Aber das heißt nichts. Vielleicht habe ich von dieser Melodie geträumt, vielleicht auch nicht.
Begleitet von seiner weichen Stimme, die sich wie eine Decke um mich legt, gleite ich in die Dunkelheit.

"Halt still!", fährt mich eine tiefe Stimme an, so wie es Eltern tun, wenn sie einrm die Haare kämmen oder einem beim Anziehen helfen, wenn man es alleine noch nicht kann. Aber es ist nicht die liebe Stimme meines Vaters, der mich direkt danach immer auf die Stirn geküsst hat. Es ist Wayne.
Ich spüre sein Gewicht, seine Kraft, wie er mich niederdrückt und seinen Leib an meinen presst. Ich spüre seine brutale Zudringlichkeit, rieche seinen Atem, der mir ins Gesicht bläst und seine Hände, die an Orte gelangen, an die sie nicht gelangen dürften. Aber ich kann mich nicht wehren, kann ihn nicht bekämpfen.
Normalerweise.
Kurz bevor er ausholt, um mich zu schlagen, löst er sich auf. Einfach so. Als wäre er nie da gewesen.
Stattdessen liege ich alleine da in meinem Kinderzimmer in New York, höre die Stimmen von Mom und Dad, die nebenan miteinander über den nächsten Urlaub sprechen. Meine Zimmertür geht auf und eine Gestalt steht im dünnen Lichtsstrahl, der durch den Türspalt dringt.
Ich winke die Person zu mir, mache Platz in meinem Bett und schmiege mich an die Wand.
William macht die Tür hinter sich wieder zu, klettert zu mir unter die Decke und tippt mir im Morsealphabet in die Handfläche.
Ich lächele.
Bald fahren wir zurück nach Italien, teilt mir William mit und ich weiß, dass er strahlt. Wir lieben Italien. Wir wurden beide dort geboren und haben viel Zeit in italienischen Hotels und an den Stränden verbracht. Italien ist unsere zweite Heimat gefolgt von Frankreich.
"Ich weiß", sage ich und morse ihm gleichzeitig meine Worte. Ich umarme meinen großen Bruder fest und er drückt zurück. So schlafen wir ein.

Ich weiß, dass es nur ein Traum ist. Aber ein wunderschöner Traum. Ein Traum, der so schön wirkt, dass er irgendwie ein Geschenk sein muss. Und ich kann mir auch denken von wem.
Mein Traum geht in Italien weiter. Mein zehnjähriger Bruder stürmt durch die Hotellobby und fängt mich ein, hebt mich hoch und wirbelt mich im Kreis. Mein Lachen füllt meine Ohren. Lachen, das nur einem sechsjährigen Mädchen möglich ist.
Ich weiß, dass mein schlafendes Ich jetzt ein paar Tränen vergießt. Aber es sind Tränen der Freude. Freude darüber, dass ich mich gut fühle. Freude darüber, dass ich in Sicherheit vor den Schatten bin. Wenigstens für diese Nacht.

Der Traum wechselt noch einmal.
Ich sitze am Grab meiner Eltern auf dem Boden, setze eine Pfingstrose in die Erde und benetze die Erde mit etwas Wasser.
Leise Musik füllt die Luft, Musik, die nicht real ist, geformt von Wind und Gefühlen.
"Mom, Dad, das ist Caleb. Mein Caleb", sage ich zu dem Grab.
Und ich weiß, mein schlafendes Ich hat die letzten Worte laut gesagt.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 1:17

Ich komme nicht hinein. Sams Traum bleibt mir verschlossen. Aber selbst nachdem sie fest eingeschlafen ist, scheint sie nach einem kurzen Moment gut zu schlafen. Wirklich gut. Friedlich und zufrieden schläft sie in meinem Bett und die kleine Kugel die sie war entspannt sich langsam. Ich selbst schiele auf die Uhr und stelle fest, dass es bereits Zeit fürs Abendessen ist. Wir haben fast den ganzen Tag miteinander verbracht und beide nicht viel gegessen oder getrunken. Und Sam hatte die Vision. Kurz mustere ich ihr Schlafendes Ich, um festzustellen, ob sie extrem blass ist und es mir bisher nur nicht so aufgefallen ist, weil ich die ganze Zeit in ihrer Nähe war.
Aber dem ist nicht so. Sie sieht ok aus. Trotzdem stehe ich immer noch die Melodie summend auf und gehe hinüber in Wohnzimmer und dann in die Küche. Dort mache ich Rhaps etwas zu Fressen fertig, die mir bereits erwartungsvoll gefolgt ist. Zufrieden mampft sie ihre Abendration, wobei sie garantiert noch zusehen wird, jagen zu gehen. Die Mengen, die sie zu sich nehmen muss, kann ich ihr gar nicht zurecht machen und verfüttern. Meine Babypantherdame muss sich großteils bereits selbst versorgen können. Aber das musste sie im Tartarus auch.
Während ich selbst in den Kühlschrank starre und überlege, was ich zu Essen machen könnte, weil ich nicht zum Haupthaus laufen will, wobei ich Sam hier alleine lassen müsste, um dort Essen für uns beide zu holen, fällt mir auf, dass Tartarus sich seid dem frühen Vormittag nicht mehr in meinen Kopf geschlichen hat.
Während ich mich für Nudeln mit vielen Kohlehydraten und einer leckeren Soße dazu entscheide räuspert er sich wie aufs Stichwort zwischen meinen Ohren. Wenn man vom Teufel spricht im wahrsten Sinne des Wortes.
°Was treibst du da Sohn?! Mit einem Orakel? Du hättest beim Training sein sollen... und die Träume? Was soll das?! Dafür ist das nicht gedacht, du verdrehst alles, Caleb!°, er klingt aufgebracht. Aber Tartarus hat es mit Prophezeiungen sowieso nicht so sehr. Er kann sie nicht kontrollieren oder beherrschen und ich persönlich denke immer noch, dass er befürchtet wegen einer Prophezeiung Keith zu verlieren, auch wenn er behauptet, er will uns beide schützen. Und wenn er Keith verliert werde ich laut den Worten, oder deren Sinn, auch wenn ich finde, dass sie keinen machen, der Mörder meines eigenen Bruders sein. Vielleicht ist es das, was ihn jetzt so aufbringt, wo Sam schläft. Denn das ich meist das Training schwänze ist eher Normalfall, als dass ich tatsächlich hingehe.
Ich versuche meine Ohren auf Durchzug zu stellen, was wie immer nur mäßig klappt.
Entnervt koche ich das Essen während Tartarus in meinem Kopf wütet. Gleichzeitig summe ich noch immer Sams Schlaflied, damit es ein guter Traum bleibt. Jedenfalls hoffe ich das. Und nicht, dass ich ihr damit Albträume beschere die sie in den Wahnsinn treiben.

Tartarus hält zum Glück endlich die Klappe, als ich mit Kochen fertig bin und wieder zu Sam hinüber gehe. Da höre ich sie eine Vorstellung murmeln. Was?
Hat sie mich gerade im Schlaf ihren Eltern vorgestellt?
Verblüfft setze ich mich auf die Bettkante und sehe die trocknenden Tränenspuren auf ihren Wangen. Wieder weiß ich nicht, ob das, dieser Versuch, wirklich so eine gute Idee war, aber trotzdem bin ich gerührt. Soll ich sie wecken, wenn sie weinen muss? Der Traum kann nicht so gut sein, auch wenn sie nicht wirklich Angst oder Panik zu haben scheint.
Außerdem ist das Essen fertig und wir beide sollten etwas essen, bevor wir dann endgültig für die Nacht schlafen gehen.
Ich zögere.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 1:59

Ich bemerke eine leichte Veränderung in meinen Träumen, so als wüssten meine Träume nicht, ob heute schon ihr Auftritt sein sollte. Es scheint fast, als wären sie unsicher, ob sie existieren durften. Und irgendwie fühlt es sich so an, als würden das nicht nur meine Träume fürchten.
Langsam wache ich auf, lasse die Augen aber noch geschlossen. Irgendwie habe ich Angst, dass alles... absolut alles ein Traum war. Dass Caleb doch nicht da ist. Dass ich immer noch im Krankenhaus sitze und Will gestorben ist. Dass die Schatten wiederkommen und mich erdrücken.
Aber da ist die Melodie. Sie zieht mich aus der Furcht und beruhigt mich sofort wieder, löscht die bösen Gedanken aus und bedeckt mich. Schüchtern blinzele ich ins Licht und erkenne Caleb, der nachdenklich und immer noch fürchterlich besorgt auf mich herabschaut. Alles in mir zieht mich zu ihm hin, aber ich rühre mich nicht. Das wäre zu schnell, zumindest erst einmal.
"Hallo", sage ich leise und reibe mir die Augen, um den Schlaf zu vertreiben. "Da bist du ja."
Ich spüre die trockenen Tränenspuren auf meinen Wangen und wische sie mit dem Handrücken weg, versuche meine Haare zu ordnen und richte mich dann auf.
Wie Caleb so da steht, könnte man fast Angst bekommen, dass er fortläuft. Der Abstand zwischen uns tut weh. Langsam und vorsichtig bewege ich mich zu ihm, lehne die Stirn an seine Brust und lege die Hände neben meinem Kopf an seine Brust.
"Danke."
Ich danke ihm für so Vieles. Dafür, dass er noch da ist. Dafür, dass er es versuchen will. Dafür, dass er meine Träume bewacht hat. Und vor allem dafür, dass er er ist. Mit jedem Schatten, jeder Seite, die er mich vielleicht nicht einmal sehen lassen will.
Essensduft steigt mir in die Nase. Nudeln. Das fantastischste, das es auf der ganzen Welt gibt. Denn mit Nudeln kann man alles machen.
"Du hast gekocht?", frage ich und ärgere mich etwas darüber, dass es so ungläubig und doof klingt. Aber außer Will kenne ich keinen Mann, der kochen kann. Ich habe nie einrn gesehen, mit Ausnahme von gelernten Köchen.
Es scheint schon spät zu sein, wenn Caleb schon Abendessen macht. Haben wir tatsächlich den ganzen Tag miteinander verbracht?
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 14:31

Schon wieder bedankt sie sich und das auch noch so weich und zart. Alles an Sam ist weich und zart, dass man Angst haben muss, dass sie an jeder scharfen Kante zerbricht oder jedem harten Wort. Das Bedanken lässt mich unwohl fühlend zurück. Es schafft so ein seltsames Kräfte-, oder Machtverhältnis zwischen uns. Eigentlich gibt es nicht viel, wofür sie sich ständig bedanken müsste und dann tue ich auch nicht wirklich Dinge für die sie sich bedanken müsste. Das macht es nur noch seltsamer für mich. Muss ich nun Dinge tun, für die sie sich bedanken kann?
Oder setzt es sie unter Zwang gar nichts zu erwarten und sich dann einfach für alles zu bedanken? Es passt einfach nicht und eigentlich will ich nicht, dass sie sich für jeden Mist bei mir bedankt, weil ich mir dabei komisch vorkomme.
An sich will ich nicht, dass sie weich und verletzlich ist, denn das ist einfach nicht der richtige Zustand, um mit mir selbst umgehen zu können.
Wie soll sie das denn dann bitte?! Oder wie soll ich dann bitte mit ihr umgehen, ohne sie zu zerbrechen. Das werde ich nicht lange durchhalten...
Ich versuche diese Gedanken zu vertreiben und auch Tartarus nachhallende Wörter in meinem Hirn.
Sam klingt ungläubig, als sie nach dem Essen fragt und ich zucke nur die Schultern, während ich eine Hand auf ihren Kopf lege und über das Schlaf zerzauste Haar streichle.
"Es ist fast sieben Uhr abends und wir haben beide nicht wirklich viel gegessen heute. Ich hatte keine Lust rüber zum Haupthaus zu gehen um etwas zu holen."
Ich sage ihr nicht, dass ich befürchtet habe, dass sie in der Zeit aufwachen und sich dann alleine fühlen könnte. Das würde die allgemeine Situation nur weiter verschärfen und das will ich auf keinen Fall.
"Es gibt Nudeln.", füge ich noch hinzu und führe sie dann in Richtung Küche. Viel erwarten soll sie nicht, denn ich kann mich selbst versorgen, weil ich einfach schon so relativ früh alleine gelebt habe, aber ich bin kein Fünf Sterne Koch oder sowas. Sam hat das zweite Mal in ihren Klamotten geschlafen und sieht deshalb etwas zerknautscht aus und besonders bequem kann das auch nicht gewesen sein.
"Willst du nachher zum Schlafen ins Haupthaus? Oder ein Tshirt von mir überziehen?", frage ich sie deshalb aus dem Kontext gerissen, denn mir fällt ein, dass sie gar nicht hier schlafen müsste.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 15:23

Caleb sieht unglücklich aus. Weswegen kann ich jedoch nicht zuordnen. Das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe, taucht wieder auf, entzieht mir möglich Worte. Also schweige ich, obwohl ich nicht will.
Ich lasse mich von ihm in die Küche führen. Das Essen sieht gut aus und ich verspüre einen gewissen Hunger. Aber ich werde wohl trotzdem wenig runterbekommen. Zu sehr beschäftigt mich Calebs Blick. Ein Blick, der klar sagt, dass etwas nicht stimmt.
Still setze ich mich an den Tisch. Seine Frage lässt mich nur kurz aufsehen. Haupthaus oder hier bleiben?
'Geh. Geh lieber', rät mir mein Gefühlschaos.
Aber ich sage nichts. Gar nichts. Als wäre der gesamte Fortschritt wie ausgelöscht, der zwischen uns war. Als hätte ich das Sprechen wieder verlernt. Als hätte ich nie gesprochen.
Worte sind bedeutungslos.
Verloren starre ich auf die Tischplatte. Was ist los?
Ruckartg hebe ich den Kopf, stehe auf und bin mit wenigen Schritten bei der Spüle. Das Wasser läuft mir über die Hände, sammelt sich in den Handflächen und ich wische mir damit durchs Gesicht, bis ich einfach meinen Kopf komplett unter den Wasserstrahl halte. Vielleicht spült es meine Fehler und die Gedanken weg.
Das kalte Wasser rinnt mir über den Nacken über den Rücken und in meinen Ausschnitt. Ich weiß, dass mein Oberteil etwas durchweicht. Aber ich spüre es nicht.
Langsam drehe ich den Hahn wieder zu und richte mich wieder auf.
Wortlos setze ich mich erneut hin und fange an zu essen. Meine nassen Haare lassen mein Oberteil weiter durchweichen. Es hat nichts genützt. Noch immer fühle ich mich so, als wäre ich nicht fehlerlos. Noch immer denke ich nach.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 17:36

Sam hebt den Blick und lässt sich von mir in die Küche schieben. Nur ist sie jetzt teilnahmslos und ihr Blick ist leer. Dann sitzt sie da nur und starrt das Essen an. Kein Wort kommt über ihre Lippen und sie sieht mich nicht mehr direkt an.
Es ist, als wären wir in der Zeit zurück gesprungen und dieser Tag wäre nie geschehen. Nur das sie mich heute früher am Tag angesehen hat und interessiert meine Antworten oder Fragen aufgenommen hat und wenigstens versuchte zu kommunizieren. Jetzt sitzt sie da und ist leer?
Warum?...
Als sie aufspringt bin auch ich eine Sekunde später auf den Beinen. Erst erwarte ich, dass sie sich vielleicht übergeben muss, warum auch immer, denn so schlecht riecht mein Essen nicht, als sie zur Spüle rennt.
Oder hat sie wieder eine Vision? Aber bei der letzten hat sie sich vorher nicht so benommen, da ist sie eher in meine Arme gesackt.
Jetzt hält sie ihren Kopf unter den laufenden Wasserhahn und ich starre sie ebenso sprachlos an. Was für eine freakige Nummer geht hier bitte gerade ab?!
Klitschnass und zitternd setzt sie sich dann wieder an den Tisch, während ich im Raum stehe und aussehe wie bestellt und nicht abgeholt! What the fuck?!
Das Wasser läuft ihr aus den Haaren und durchnässt ihr Shirt. Sam beginnt mit leerem Blick mechanisch wie mir scheint zu essen. Ich hingegen werde wütend, aber eigentlich auch nur, weil ich absolut nicht weiß, was ich tun soll oder tun kann. Verzweifelung wird in Wut erstickt und ich verlasse den Raum.
Im Schlafzimmer schnappe ich mir ein Shirt von mir und im Bad hole ich ein Handtuch. Mit beidem bewaffnet kehre dann in die Küche zurück und zerre Sam von ihrem Stuhl hoch. Ihr Shirt landet klatschend vor Nässe auf dem Fußboden und ich starre genauso stoisch vor mich hin, um nicht vielleicht auftretende Panik in ihrem Gesicht sehen zu müssen.
Ihr BH folgt, denn sie kann den Nassen nicht anbehalten. Ich starre mit Mühe über ihre Schulter hinweg, um sie nicht anzusehen. Ich würde sie gerne sehen, aber nicht in dieser Situation. Nicht in diesem Moment.
Sam bekommt von mir das Shirt über gezogen und ihre Haut ist klamm und nass. Kühl. Ihre langen nassen Haare ziehe ich hinten aus dem Kragen und wickele sie in das Handtuch, bevor ich das nun wieder einigermaßen trockene Mädchen auf den Stuhl zurück drücke.
"Genau das passiert, wenn du abrastet und so einen Scheiß machst, Sammy! Wenn du mir Panik machen wolltest hast du das geschafft, Glückwunsch. Schweig meinetwegen wieder, aber mach nicht so einen Mist! Und sollte ich was gemacht haben, warum du wieder so bist, dann schrei schweigend oder was weiß ich, aber versuch nicht dich in meinem Waschbecken halb zu ertränken.", knurre ich sie an. Denn ihr Verhalten macht mich gerade fertig.
Vermutlich bin ich Schuld an ihrem erneuten Schweigen und auch an dieser durchgedrehten Reaktion. Aber was soll ich machen? Ich weiß nicht einmal was ich vermeiden muss. Das macht mich halb wahnsinnig, denn jetzt habe ich es wahrscheinlich nur noch schlimmer gemacht.
Mit einem müden Seufzer sammele ich ihr nasses Shirt und den BH auf, um beides ins Bad zu bringen, wo ich es zum Trocknen aufhängen kann.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 19:33

Plötzlich ist Caleb aus dem Zimmer verschwunden, aber ebenso schnell ist er wieder da, reißt mich vom Stuhl hoch, sodass mir die Gabel entgleitet und zu Boden fällt. Mit raschen Bewegungen zieht er mir das Shirt aus und den schwarzen, schlichten BH, wirft die Sachen zu Boden und wirft mir ein Tshirt, das mir deutlich zu groß ist, über. Schon drückt er mich wieder auf den Stuhl. Seine heftige Reaktion löst etwas in mir, seine warmen Hände auf meiner klammen Haut entziehen mir die bösen Gedanken. Es macht alles gar keinen Sinn, aber plötzlich, ganz plötzlich geht es mir besser. Irgendwie. Tränen des Schocks und der Erleichterung tropfen auf den Teller. Halb schuldbewusst halb erlöst betrachte ich die Gabel am Boden, während Caleb meine nassen Sachen aus dem Zimmer bringt.
"Ich wollte bloß...", sage ich zum Teller, muss aber unterbrechen, um meine Stimme unter Kontrolle zu halten."Ich wollte bloß, dass ich nicht mehr so... viel denke und Angst habe. Angst davor, dass es nicht geht. Dass ich es falsch mache. Dass ich zu langsam bin. Und dass du auf mich zu sehr Rücksicht nehmen musst. Das... nein."
'Verschließ dich nicht vor ihm. Zeig ihm, was passiert ist. Was sie getan haben.'
Es sind nicht meine Gedanken, die dort flüstern, nicht meine Stimme in meinem Kopf. Es ist auch nicht das Orakel.
'Lass ihn erkennen, warum du wie reagierst'
Das Flüstern rauscht mir in den Ohren. Es erfüllt mein Herz, meine Gedanken, meinen Körper.
Die Stimme hat recht. Bloß wie? Wie soll ich das machen? Kann ich das überhaupt? Bin ich dazu bereit, jemanden das alles wissen zu lassen?
Ich stehe auf und hebe die Gabel auf, lege sie in die Spüle und nehme eine neue.
Ich lege sie auf den Tisch, bevor ich zu Caleb gehe, dessen Seufzen und dessen wütende Worte noch in meinen Ohren klingeln. Seine gewaltige Wut, die ich immer noch nicht vollständig erlebt habe, sollte mir Angst machen, mich vertreiben. Aber es zieht mich zu ihm hin.
"Wenn du wütend bist, passt das viel besser zu dir, als wenn du unter Sorgen in deinen Gedanken versinkst", sage ich sanft, wische nebenher die Tränen weg und streiche über den weichen Stoff seines Tshirts, in dem ich beinahe untergehe.
"Ich bleibe hier. Außer..."
Ich lasse den Satz unvollendet und spiele nun am Saum des Shirts herum.
'Außer du willst es nicht. Außer du willst mich nicht. Außer du kannst nicht.'
Meine Gedanken werfen alles durcheinander, bekriegen sich, löschen sich aus, bis nur noch einer bleibt.
'Außer du kommst mit."
Doch ich verschweige den Gedanken, behalte ihn für mich. Caleb soll sich nicht unter Druck fühlen, sowie er es bei mir auch gerne halten würde. Aber womöglich brauche ich ein wenig Druck.
Nach oben Nach unten
Gast
Gast



BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   So 23 Aug 2015 - 22:04

Ich sehe Sam an, während sie auf mich zukommt und dabei am Saum meines Shirts zupft, was ihr um Welten zu groß ist.
Jetzt ist wieder Licht in ihren Augen und die tatsächliche Sam schaut mich wieder an. Dort ist wieder eine Person und nicht nur Leere in ihrem Blick. Sie hat etwas vor sich hin gemurmelt, während ich ihre Sachen aufhängen gegangen bin, was ich nicht ganz verstanden habe. Nur das Wort Angst... irgendwas hat ihr Angst gemacht. Wahrscheinlich habe ich ihr irgendwie oder mit irgendwas Angst gemacht.
Ich verstehe nur nicht, mit was...
Denn sie sagt nichts dazu, dass ich sie bis auf die Haut ausgezogen habe, ohne ihr eine Chance zu lassen "Nein" zu sagen oder sich auch nur zu wehren. Wenn man ihre Geschichte bedenkt, bin ich mir nicht sicher, ob der große Knock down nicht noch kommt, wenn sie tatsächlich realisiert, dass ich sie ausgezogen habe.
Denn vorhin war sie fast apathisch. Jetzt spricht sie wenigstens wieder.
Wenn auch wieder so sanft und verschreckt.
Ich weiß nicht, ob das je aufhören wird... denn ich kann nicht der sein, der ihr gleichzeitig Angst macht und sie dann wieder zurück holt und ich kann auch nicht für immer der sein, der sie als völlig gebrochen erlebt. Das macht mir bereits so schon selber Angst.
Also packe ich sie an den Schultern und unter dem Kinn und hebe ihr Gesicht so, dass sie mich ansehen muss.
"Tu das nicht noch mal Samantha! Schweig oder sei sauer oder traurig, aber nicht leer! Ich bin ein Mensch, der alles mit Klängen füllt und wenn ich vor Wut brülle. Scheiß egal. Aber wenn du leer und still wirst komme ich damit nicht zurecht.", knurre ich sie an und zucke dann die Schultern.
"Du kannst dir aussuchen, ob du hier schlafen willst. Ich hab ein Gästezimmer hier."
Wobei ich offen lasse, wer von uns das Gästezimmer beziehen muss. Ich selbst wäre angegnatzt, wenn ich nicht in meinem Bett schlafen könnte... unter normalen Umständen. Aber mit Sam ist es nicht normal und auch wenn es mir schwer fällt würde ich ihr mein Bett überlassen und selbst ins Gästezimmer gehen.
Das Bett dort ist nicht anders, oder unbequem. Es ist nur einfach nicht meines.
"Wir sollten noch was Essen, bevor alles gänzlich kalt ist.", murmele ich dann, obwohl mir essen gerade so banal erscheint.
Nach oben Nach unten
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)   

Nach oben Nach unten
 

Ein überraschendes Wiedersehen (Caleb&Samantha)

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 6 von 7Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3, 4, 5, 6, 7  Weiter

 Ähnliche Themen

-
» Auf (hoffentlich) Wiedersehen
» Rückfall zum OneItIs-Problem nach erstem Treffen
» 1 treffen mit ex nach fast 3 monaten ks
» Nina Samantha Arendale
» Schicksalhafte Begegnung (Rebecca & Samantha & Isabelle)

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
Helden des Olymp - A new Adventure :: Archiv / Archives :: Beendete Plays / Finished RPGs-